Rezension von Dr. Andreas Brenne zu:

Fotografien in pädagogischen Fallstudien. Sieben qualitativ-empirische Analyseverfahren zur Ästhetischen Bildung. München (kopaed) 2006

Dieses Buch versteht sich als Handbuch für alle in der Kunstpädagogik qualitativ Forschenden, die stets mit der Auswertung von Bildern zu tun haben. Peez stellt in knapper und verständlicher Form sechs Analyseverfahren vor; u. a. die Aufzeichnung visueller Abtastbewegungen, die objektiv-hermeneutische Bildanalyse, die kultursoziologische Bildhermeneutik, das phänomenologische "Lesen" von Bildern sowie die Methode des "Lauten Denkens". All diese Verfahren versuchen das Grundproblem sozialwissenschaftlicher Fotoanalyse methodisch zu kontrollieren: simultan dargebotene bildnerische Zeichen und sprachliche Texte in Beziehung zueinander zu setzen. Welches dieser Konzepte nutzbar ist, ergibt sich aus der jeweiligen Forschungsfrage und dem zu untersuchenden kunstpädagogischen Szenario. Peez verdeutlicht dies praxisnah anhand von 5 Fallbeispielen, die überzeugend aufzeigen, wie durch die Einbeziehung der Fotoanalyse signifikante Forschungsergebnisse erzielt werden und kunstpädagogische Theoriebildung vorangebracht wird. In diesem Zusammenhang ist die Untersuchung des „Schmierens“ im Kleinkindalter hervorzuheben; ein Beitrag zur Erforschung der Kinderzeichnung, der prozessorientiert den Nachweis führt, wie Kinder im postnatalen Stadium bereits graphische Produkte hervorbringen. Andere Fallanalysen beziehen sich auf Kunstunterrichts-Szenarien unterschiedlicher Jahrgangsstufen. In diesem Zusammenhang geht der Autor auch auf die Besonderheiten der digitalen Fotografie ein. Ein Beispiel setzt sich mit der Analyse historischer Fotografien im Kontext der biografischen Professionsforschung auseinander.

Fazit: Das vorliegende, reichhaltig bebilderte Buch ist eine sehr hilfreiche Fundgrube für alle die in der Kunstpädagogik / ästhetischen Erziehung praxisorientiert forschen. Anhand relevanter Fälle wird die Vielschichtigkeit und Effizienz qualitativer Foto- und Bildanalyse anschaulich demonstriert. Bildkompetenz ist also nicht nur Ziel der Kunstdidaktik, sondern auch ein Qualitätsmerkmal, das kunstpädagogische Forschung und Lehre bestimmen sollte.

Andreas Brenne

erscheint in: Kunst+Unterricht 2006