Rezension von Sara Burkhardt zu:

Johannes Kirschenmann / Georg Peez (Hg.): Computer im Kunstunterricht - Werkzeuge und Medien. Donauwörth (Auer Verlag) 2004

 

Eingescannte Monotypien, gemorphte Selbstporträts, digitale Sammlungen, Animationen für das Internet, das Schulgebäude dreidimensional, ein virtueller Garten, Treppentreffen im Hyperspace - im Mittelpunkt des von Georg Peez und Johannes Kirschenmann herausgegebenen Buches steht Anwendbarkeit. Es geht um konkrete Projekte, die im Kunstunterricht mit digitalen Medien verwirklicht wurden. Die Abbildungen zeigen, dass die zahlreichen Autoren in der Praxis erprobt haben, was sie hier anbieten. Und sie bieten viel an: Die Bandbreite reicht von grafischen Verfahren und Bildbearbeitung über Animationen und digitalen Videoschnitt bis zu multimedialen Präsentationen. Die Herausgeber gliedern jedoch ihr Arbeitsfeld. Sie unterteilen in "Computer als Werkzeug und Medium" und "Computer als Medium" und geben dadurch neben den Erfahrungsberichten aus der Praxis auch der Reflexion des Mediums Raum. So bestehen die mit "Medium" und "Gegenwartskunst" betitelten zweiten und dritten Kapitel aus einer Sammlung theoretischer Beiträge, in denen Mediennutzung, Medienkunst und Medienkulturen näher analysiert werden.
Die Beispiele aus der Praxis können durch ihre klare Darstellung und Gliederung Unterrichtenden als wirkliche Hilfe dienen. Es wird deutlich, dass die Autoren Praktiker sind, die hier ihre Erfahrungen beschreiben, mit allen Schwierigkeiten, aber auch sichtbaren Erfolgen. Letztere werden illustriert durch Abbildungen oder auch Links zu den Arbeitsergebnissen.
Problematisch erscheint allein die Gestaltung des Buches, die Lesbarkeit ist nicht optimal und ein Ordnungssystem zum leichteren Auffinden gesuchter Themen oder ein Register wären hilfreich. Die Internetseite zum Buch (http://www.lrz-muenchen.de/~kunstpaedagogik/medienbuch.htm) bietet eine Hilfe, denn sie gibt die in den Texten genannten Links und auch ergänzende Links an, die z.B. auf Farbabbildungen zu den Projekten verweisen, auf die im Buch verzichtet wurde. Eine aktuelle Softwareliste und ein ausführlicher Bericht über das Portal www.kunstlinks.de ergänzen im vierten mit "Support" betitelten Kapitel das Material.
Das Buch verdeutlicht, welches Potenzial die digitalen Medien im Kunstunterricht heute bieten, sei es als Werkzeug, Kommunikationsmittel oder Gegenstand der Reflexion. Die vorgestellten Unterrichtsideen müssen sich jedoch erst noch im Alltag von Kunstlehrerinnen und -lehrern verbreiten, angewandt und ständig weiter entwickelt werden. Zusammen mit dem Medienheft des BDK (http://medien.bdk-online.info) bildet "Computer im Kunstunterricht" eine maßgebliche Grundlage für Kunstlehrerinnen und -lehrer, die einen Einstieg in den Umgang mit digitalen Medien suchen, seien es Berufsanfänger oder erfahrene Kollegen, die etwas Neues ausprobieren wollen.

Sara Burkhardt

erschienen in: Kunst+Unterricht Heft 287/ 2004, S. 53