Rezension von Marc Fritzsche zu:

Johannes Kirschenmann / Georg Peez (Hg.): Computer im Kunstunterricht - Werkzeuge und Medien. Donauwörth (Auer Verlag) 2004

 

Computer sind vielerorts im Alltag des Kunstunterrichts angekommen. Zahlreiche Skeptiker, aber auch glühende Verfechter haben ihre extremen Positionen verlassen und tragen so dazu bei, dass der Computer immer mehr akzeptiert wird als ein weiteres, wichtiges, aber nicht allumfassende Seligkeit verheißendes Werkzeug. Für interessierte Einsteiger und Fortgeschrittene ist jetzt ein wichtiges Buch erschienen.
Die Herausgeber Johannes Kirschenmann und Georg Peez haben den Nachfolger ihres vergriffenen Standardwerks „Chancen und Grenzen der Neuen Medien im Kunstunterricht“ (Hannover 1998) vorgelegt. Unter dem Titel „Computer im Kunstunterricht – Werkzeuge und Medien“ präsentieren sie zahlreiche Beispiele aus der Praxis, die das „Interesse am Umgang mit dem Computer in der Sekundarstufe wecken“ sollen.
Dies dürfte besonders durch die meist klaren Beschreibungen realisierter Unterrichtsvorhaben im Kapitel „Werkzeug und Medium“ gelingen. Die Inhalte und ihre Vermittlung sind gut nachvollziehbar. Auftretende Schwierigkeiten werden dargestellt, Lösungswege genannt. Die Themen stammen aus allen Bereichen des Computereinsatzes im Kunstunterricht, beispielsweise Bildgestaltung, Webseitengestaltung, Multimedia-Programmierung oder Videoschnitt. Mehreren Beispielen liegt der Ansatz von MuSe Computer zugrunde, der analoge und digitale Arbeitsweisen verbindet.
Während das vorangegangene Buch noch von einem stark ausdifferenzierten Begriff von Medienkompetenz ausging, so kritisiert Peez genau dies in der aktuellen Fassung als „im Alltag kunstpädagogischer Praxis wohl kaum einlösbar“. Überbau und theoretische Bezüge sind in den Kapiteln „Medium“ und „Gegenwartskunst“ zu finden, die nicht zufällig dem praktischen Teil folgen und ihm nicht vorausgehen. Abgerundet wird das Buch durch Gestaltungshinweise u.a. zu Schrift, Bildschirmhintergrund und Icons sowie das Kapitel „Support“ mit einer aktuellen Softwareliste und einem Bericht über die Kunstunterrichts-Datenbank www.kunstlinks.de.
Kritisch anzumerken ist die gelegentlich ausschweifende Darstellung einzelner Texte. Schwerer wiegen jedoch die nicht optimal lesbare Schrift im Fließtext und das Fehlen eines Registers. Farbige Bilder und weitere Materialien und Links bietet die Internetseite zum Buch (http://www.lrz-muenchen.de/~kunstpaedagogik/medienbuch.htm).
Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass den Herausgebern erneut ein Buch gelungen ist, das einen Standard setzt. Die Mischung aus ambitionierten Projekten und etwas einfacheren Beispielen ist anregend. Zusätzlich ist das BDK-Medienheft (http://medien.bdk-online.info) zu empfehlen, das auf kürzere Beschreibungen setzt.

Marc Fritzsche

erschienen in: BDK-Hessen-Info, Heft 2/ 2004, S. 28