Rezension von Prof. Dr. Constanze Kirchner (Universität Augsburg) zu:

Peez, Georg: Einführung in die Kunstpädagogik (Reihe "Grundriss der Pädagogik"), Stuttgart (Kohlhammer Verlag) 2002

Kunstpädagogik im Überblick

Will man sich einen Überblick über das Studienfach Kunstpädagogik verschaffen und eine Zusammenschau über die wesentlichen Fachinhalte erhalten, eignet sich hierfür hervorragend das Taschenbuch aus der Reihe Grundriss der Pädagogik/ Erziehungswissenschaft (Band 16) von Georg Peez: Einführung in die Kunstpädagogik.

Anschaulich werden u.a. verschiedene aktuelle Strömungen aufgezeigt, die die Grundlagen des Fachverständnisses bilden: Lernorientierte Ansätze werden subjektorientierten gegenübergestellt, ästhetische Bildung und kompensatorischer Unterricht werden positioniert, der Einfluss von Künstlerlehren wird dargestellt, Performance und digitale Medien stehen exemplarisch für neuere Verfahren im Kunstunterricht (Kap. 2). Freilich können nicht alle gegenwärtigen Konzepte Berücksichtigung finden, doch die Quadratur des Kreises gelingt – wenngleich mancheiner andere Schwerpunkte gesetzt hätte.
Ein weiteres Kapitel widmet sich den historischen Wurzeln der Kunstpädagogik – knapp, übersichtlich und fundiert zeigt ein Abriss die Entwicklung von mittelalterlichen Zeichenstunden bis zu den Konzepten des 20. Jahrhunderts (Kap. 3).

Die Praxisbereiche Zeichnen und Gestalten mit Ton sollen paradigmatisch das genuin kunstpädagogische Tätigkeitsfeld bildnerischen Tuns markieren (Kap. 4). Hier wäre eine breitere Darstellung der Praxisfelder wünschenswert gewesen oder zumindest die Benennung weiterer künstlerischer Verfahren, die für viele „Einsteiger“ möglicherweise nicht so selbstverständlich bekannt sind. Auch das meines Erachtens wichtige inhaltliche Gebiet der Kunstrezeption wird im gesamten Buch nur marginal erwähnt. Dafür widmet sich bemerkenswerterweise gleich ein ganzes Kapitel den Methoden und Sozialformen kunstpädagogischer Arbeit (Kap. 6).

Mit großer Sorgfalt und Kenntnis sind sowohl die potentiellen kunstpädagogischen Berufsfelder erläutert und mit ihren jeweils bedeutendsten Kennzeichen geschildert (Kap. 5) als auch die Vorgehensweisen kunspädagogischer Forschung (Kap. 7). Die Forschungsmöglichkeiten – künstlerisch, historisch, empirisch, hermeneutisch – werden ausführlich dargestellt und exemplarisch verdeutlicht. Abschließend erhält man umfangreiche Informationen zu Studienmöglichkeiten und –bedingungen des Faches Kunstpädagogik (Kap. 8) sowie zu Berufsverbänden, Serviceeinrichtungen, hilfreichen Internetadressen usw. (Kap. 9).

Mit dem Buch verfolgt Georg Peez gleich zwei Absichten: Einerseits will er eine Einführung in das Fach geben, anderseits soll das Verhältnis von Pädagogik und Kunst ausgelotet werden, um die Wirkungszusammenhänge zwischen beiden Polen zu verstehen. Die übersichtliche Struktur gewährleistet für Neulinge im Fach den beabsichtigten kompakten Überblick in gekonnter Kürze und Prägnanz, erfahrene Kunstpädagoginnen und Kunstpädagogen können dem roten Faden der Beziehung zwischen Kunst und Pädagogik folgen.

Eine hilfreiche Lektüre für Studium und Lehre!

Constanze Kirchner

erschienen in: Kunst+Unterricht Heft 266/267 2002, S. 5-6