Rezension von Regine Mätzler Binder (Fachhochschule Aargau, Schweiz) zu:

Peez, Georg: Einführung in die Kunstpädagogik (Reihe "Grundriss der Pädagogik"), Stuttgart (Kohlhammer Verlag) 2002

Für praktisch und theoretisch an Kunstpädagogik und ihrer Anwendung in verschiedenen Bereichen Interessierte ist ein neues kleines Handbuch erschienen. Der Verfasser Georg Peez ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kunstpädagogik der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Mir selber ist er bekannt als Dozent des Moduls Qualitative empirische Forschung im Nachdiplomstudium Fachdidaktik Kunst und Gestaltung an der Universität Bern und als Autor des Buchs Qualitative empirische Forschung in der Kunstpädagogik (Hannover, 2000).

In seinem neuen Buch fächert Georg Peez den Bereich der Kunstpädagogik sehr weit auf. Er zeigt verschiedene Beziehungen auf zwischen Pädagogik und Kunst, zum Beispiel pädagogische Prinzipien, die sich innerhalb der Gegenwartskunst feststellen lassen (zum Beispiel bei Beuys oder Haake), zeigt aber auch, dass sich Kunst nicht einfach pädagogisieren lässt. In einem prägnanten geschichtlichen Abriss lässt sich der Weg verfolgen von der mittelalterlichen Zeichenstunde des Adels bis zur ästhetischen Erziehung am Ende des 20. Jahrhunderts. Anhand unterschiedlicher fachdidaktischer Ansätze (Otto, Selle u. a.) wird der wissenschaftliche Diskurs im Fachbereich dargestellt. In Bezug auf Forschung werden verschiedenen Ausrichtungen beschrieben: forschende Verfahren in der Kunst, historische Forschung, empirische Forschung u. a.. Neben Schule, Museum, Erwachsenenbildung und Jugendkunstschulen stellt Peez auch die Seniorenarbeit als mögliches Berufsfeld vor, das bis jetzt für Kunstpädagogen zwar noch wenige lukrative Stellen bietet, mit der Überalterung der Bevölkerung aber bedeutungsvoller werden könnte. Das Buch informiert auch über die in Deutschland üblichen Ausbildungswege, wie die Lehrberechtigung für Kunstpädagogik an den verschiedenen Schulstufen erworben werden kann.

Das handliche, im Layout angenehme Buch ist sehr leserfreundlich geschrieben. Obwohl es darauf angelegt ist, einen weiten, umfassenden Überblick zu vermitteln und deshalb vieles nur ganz kurz angetippt ist, verweilt es doch immer wieder bei einzelnen Aspekten und gibt exemplarisch ein Stück Tiefenschärfe preis. Gerade dadurch gewinnt es an Spannung und ermöglicht ein weiteres Verknüpfen mit den Themen, die man als Leserin mitdenkt. Die einzelnen Kapitel sind in sich eigenständig aufgebaut und erlauben – ähnlich dem Hypertextprinzip – einen selektiven Einstieg in die Lektüre. Die vielen Querverweise erleichtern die Orientierung beim eigenen Weg durch die Seiten.

In einem Support listet Peez alle für Deutschland relevanten (Internet-)Adressen auf, zum Beispiel von Studiumsorten, Fort- und Weiterbildungsinstitutionen, Berufsverbänden, Forschungs- und Serviceeinrichtungen, Datenbanken, Zeitschriften und digitalen Medien. Schon deshalb und wegen den umfassenden Literaturangaben ist das Büchlein auch für Werklehrerinnen und Werklehrer wertvoll.
Mich haben beim Lesen Parallelen und Unterschiede interessiert zwischen dieser Darstellung der Kunstpädagogik und meinem eigenen Fachverständnis. Die Verhältnisse in Deutschland unterscheiden sich von den schweizerischen und das Fach Bildnerisches Gestalten unterscheidet sich vom Werken. Und dennoch konnte ich viele anregende Verwandtschaften entdecken. Ausserdem werden solche nationalen und fachlichen Grenzen wahrscheinlich zunehmend in Bewegung geraten und sich verschieben.

Regine Mätzler Binder

erschienen in: Werkspuren, Die Fachzeitschrift des Schweizerischen Werklehrerinnen- und Werklehrervereins, Nr. 3, 2002, S. 64